Wohnprojekt Neue Wege
für alle Generationen Ein gemeinschaftsorientiertes Wohnmodell der Baugenossenschaft Neue Wege eG Augsburg
Das Besondere unseres Wohnprojektes "Neue Wege" ist, dass sich hier vor Einzug eine Gruppe Menschen zusammen gefunden hat, um ein selbst organisiertes, nachbarschaftliches und Generationen übergreifendes Wohnen und Leben zu initiieren.
Vor vier Jahren zogen die ersten Bewohnerlinnen in diese beiden neuen Häuser ein.
1996 wurde in Augsburg die Baugenossenschaft Neue Wege eG gegründet. Das Förderprogramm der Bundesregierung – eigentlich hauptsächlich gedacht für den Wiederaufbau in den neuen Bundesländern – wurde dazu genutzt, Mitglieder in ganz Deutschland zu gewinnen. Damit stand Kapital zur Verfügung, um ein ökologisch durchdach-tes Bauprojekt durchzuführen.
Hier waren junge Architekten aktiv, die Ökologie umsetzen wollten, Volkswirtschaftler, die den Zukunftstrend – nämlich neue Wohnformen für alle Generationen – erkannten und Finanzexperten, die Kapitalanleger über Steuerbegünstigungen einwerben konnten.
Wie war unser Weg bis dahin?
Ein innenstadtnahes Grundstück wurde gekauft, und in kürzester Zeit sprach sich das geplante Projekt herum. Interessenten wurden Genossenschaftsmitglieder und diejenigen, die schon vor Baubeginn Mitglied der Genossenschaft waren, haben bei der Planung und baulichen Ausgestaltung der Wohnungen und der Gemeinschaftsräume mitgewirkt. Unter Berücksichtigung der städtischen Vorgaben wurden Stadthäuser, Maisonetten und alten- und rollstuhlgerechte Wohnungen entwickelt. Dieser eingebrachte Ideenreichtum zeichnet unser innovatives Siedlungsmodell aus. Wir sind ein „Mischprojekt“, in dem genossenschaftliches Wohnen, öffentlich geförderte Wohnungen und Eigentumswohnungen vereint sind.
Die meisten gemeinschaftlichen Wohnprojekte, in denen Jung und Alt unter einem Dach leben, verstehen sich nicht als reine Zweckgemeinschaft. In ihnen wird viel Wert gelegt auf gute zwischenmenschliche Beziehungen. Diese lassen sich allerdings nicht erzwingen, sondern brauchen Zeit zum Wachsen. Vertrauen kann nur dann entstehen, wenn die Bewohnerlinnen sich persönlich kennen lernen.
Wohnraum ist Lebensraum, in dem sich junges und altes Leben begegnet. Nur wenn Menschen mit- und nebeneinander leben, sich aneinander reiben, voneinander lernen, kann Toleranz, Rücksichtnahme und Solidarität entstehen. Altersmäßige Durchmischung kann Ausgrenzung verhindern helfen und gegenseitige Hilfeleistungen ermöglichen.
Wir wollen mit unserer Wohninitiative nicht nur der Isolation und Vereinsamung im Alter vorbeugen. Wir fördern das Miteinander der Generationen. Als überschaubares soziales Gebilde tragen wir zur Erhöhung der Wohn- und Lebensqualität sowie der Wahl- und Entscheidungsmöglichkeit der Einzelnen bei der Gestaltung ihrer Lebensform bei.
Und nicht nur das. Viele von uns engagieren sich im Gemeinwesen, beispielsweise in ökologischen, kulturellen und sozialen Bereichen.
Unser Wohnprojekt
Unser Wohnprojekt, bestehend aus zwei gegenüberliegenden Häusern mit 36 Wohn-einheiten von 45 – 125 qm, befindet sich auf dem ehemaligen Gelände der Prinz-Karl-Kaserne, das von einer Parkanlage durchzogen ist. Der größte Anteil der Wohnungen wird genossenschaftlich genutzt, d.h. mit einer Kapitaleinlage und monatlichem Nutzungsentgelt. Ein weiterer Teil sind Eigentumswohnungen mit Mitgliedschaft in der Genossenschaft.
Es war nicht einfach, dieses Projekt auf den Weg zu bringen. Ohne Eigeninitiative der zukünftigen Bewohnerlinnen wäre es kein Gemeinschaftsprojekt geworden. Über aktive Öffentlichkeitsarbeit haben wir Parteien, Sozialämter und Kirchengemeinden angesprochen und über Mundpropaganda und per Flugblatt in Arztpraxen, bei Behörden und Veranstaltungen auf uns aufmerksam gemacht. Wir haben Journalisten zu begeistern versucht und Presseinformationen an Heimatzeitungen, Lokalredaktionen, Vereins- und Verbandszeitungen geschickt. Und es wurde auch manches veröffentlicht. Weitere Interessenten haben sich im Lauf der Zeit mit uns zusammengefunden.
Heute wohnen in unseren beiden Häusern Menschen in den verschiedensten Lebenslagen: Familien (ca. 17, davon 6 Alleinerziehende, ca. 30 Kinder und Jugendliche, Ältere (11, davon 3 mit Partner), Paare und Singles und auch ausländische Mitbürger.
Ein generationenübergreifendes nachbarschaftliches Leben.
Die Gemeinschaftseinrichtungen ermöglichen es allen Bewohnerlinnen, gewisse Aktivitäten aus dem individuell genutzten Wohnraum auszulagern: Ein Gemeinschaftsraum mit Teeküche, ein Gästezimmer, eine überdachte Dachterrasse, Vorratskeller, ein Wohnhof zwischen den beiden Häusern. Sie bieten ein Forum für gelebte Nachbarschaft. Die Hausbewohner haben die Möglichkeit, gemeinsamen Interessen nachzugehen und bei Bedarf gegenseitige Unterstützungsleistungen auszutauschen.
Die Hausgemeinschaft erledigt mit freiwilligem Einsatz ja nach Neigung und Fähigkeiten des Einzelnen, die anfallenden Aufgaben und Arbeiten innerhalb der Wohnanlage selbst. Die Nebenkosten für die Wohnungen werden damit niedrig gehalten. Unsere gemeinsam verfasste Hausordnung sieht vor, dass viele Aufgaben gemeinschaftlich geregelt werden, auch um die Gemeinsamkeit zu fördern.
Arbeits- und Interessensgruppen bringen die Bewohnerlinnen in Kontakt und Austausch:
- Die Hausgruppe regelt die Haustechnik, Reinigung, Sicherheit usw.
- Die Gartengruppe sorgt für die Pflege der Anlagen im Innenhof und dem Außenbereich.
- Die Orgagruppe organisiert die monatlichen Hausgemeinschaftstreffen und steht außerdem für Außenkontakte und die Verbindung zum Genossenschaftsvorstand zur Verfügung.
- Die Gemeinschaftsraumgruppe betreut die Gestaltung und Nutzung der Gemeinschafts-räume und Gemeinschaftseinrichtungen.
- Die Freizeitgruppe macht Vorschläge für gemeinschaftsfördernde Veranstaltungen und Unternehmungen.
- Die Kindergruppe wird von den Familien selbst organisiert.
Neben den monatlichen Hausgemeinschaftstreffen findet 2 mal jährlich je ein Hausputz- und Gartentag statt. Wer aus bestimmten Gründen nicht mitmachen kann, bezahlt einen Betrag in die Gemeinschaftskasse.
Es entstanden eine monatliche Frauenrunde, ein Männertreff, regelmäßige gemeinsame Sonntagsfrühstücke, Geburtstags- und Sommerfeste usw.; auch eine Spielrunde gibt es im Winterhalbjahr.
Nach ca. vier Jahren des Zusammenlebens können wir sehen, dass sich die Mischung der Generationen zufriedenstellend entwickelt. Unser Einsatz gilt den guten zwischen-menschlichen Beziehungen. Diese pflegen wir bei vielen Anlässen und auch spontanen Aktionen.
Es ist schon eine ganz besondere Aufgabe, diesen Weg zu gehen. Ihn durch alle Widrigkeiten zu bejahen, ohne sein definitives Ende zu kennen. Es erfordert einen langen Atem, eine innere Überzeugung und eine gute Gemeinschaft. Darum brauchen wir Ausdauer, Flexibilität und nochmals Ausdauer. Und wir sind uns bewusst, dass letztendlich wir alle – Jung und Alt – in dieser Gemeinschaft gewinnen.
Kontakte:
Gerlinde Fischer, Email: fischger@compuserve.de
Erika Nassl-Scherkamp, Tel. 0821 - 40 74 51
Baugenossenschaft Neue Wege eG
Schertlinstraße 29
86159 Augsburg
Telefon: 0821 - 66 01 90
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